Mein Koffer für die letzte Reise

Ein Buch, eine Ukulele, ein selbstgemachter Spiegel, ein Kartenspiel, Bilder der Kinder, ein persönlicher Brief, diese individuellen Gegenstände finden Platz in dem „Koffer für die letzte Reise“. Zusammengestellt haben ihn sechs Frauen und Männer der Macher und sind somit Teil des gleichnamigen Projektes des stationären Hospiz Wanderlicht. Während der Findungsphase mit insgesamt fünf Treffen sind neue Perspektiven auf das Leben entstanden. „Das Leben ist zu kurz für irgendwann mal“, hieß es aus der Gruppe. Beispielhaft steht dafür die Ukulele, die zu beherrschen, war schon immer der Traum eines Kofferpackers. Der beigefügte Wecker soll daran erinnern: „Nimm dir Zeit für das, was du dir vorgenommen hast“. So ist auch eine To-Do-Liste entstanden, die „abgearbeitet“ werden will. Darauf steht beispielsweise eine Irland-Reise und das Aussuchen eines Platzes für die letzte Ruhe im Friedwald. Das beste Buch aller Zeiten „Durch Begegnungen wachsen“ begleitet eine Teilnehmerin seit vielen Jahren, dieses Buch findet Platz im Koffer und steht im engen Bezug zum irdischen Leben, zum respektvollen Miteinander. „Es ist alles erledigt, ich brauche nichts mehr“, sagt eine Teilnehmerin und legt einen handgeschriebenen Brief dazu. Dass das Leben endlich ist, ist allen bewusst. Vielleicht hätten sich deshalb nur wenige an dieses Projekt getraut, weil das Lebensende näher ist als bei jungen Menschen, mutmaßten sie. „Wir haben viel fürs Leben gelernt“, stellen sie fest, „Zeit für sich zu nehmen, das tun, was du willst und nicht, was andere erwarten, es ist ein gesunder Egoismus entstanden“, verdeutlicht die Gruppe. Auch ganz pragmatische Dinge wurden diskutiert, wie z.B. Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. „Mein Koffer für die letzte Reise“ mündet in eine Ausstellung am Samstag, 8. Oktober in der Kunsthalle. Dort werden insgesamt 12 Koffer aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zu sehen sein.

Text unf Foto: Martin Kessens

Von links:
Rita Michel, Edith Tegeler, Gerd Mastall, Rena Kramer, Klaus Lübbehüsen, Werner Michel