Im Haus „Die Macher“ gehen viele Menschen der Generation 65+ ein und aus. Menschen mit Lebenserfahrung aus Kriegs- und Nachkriegszeit, aus Zeiten des Aufbruchs und des Konsums, aus den Jahren einer raschen Entwicklung neuer Technologien und und und … Viele haben die Zeiten des Umbruchs auch in Cloppenburg erlebt – staunend und seit einer Weile schon auch ratlos. Da kam der Vortrag von Hans-Jürgen Grimme, Seniorchef des Fa. Bley, beim Frühstückstreff im Haus „Die Macher“ gerade zur richtigen Zeit. Sein Thema „Einzelhandel in Cloppenburg“ aus der Sicht einer hier seit fast 200 Jahren ansässigen Kaufmannsfamilie, seiner Familie, und speziell aus den mehr als 50 Jahren, in denen er sein Geschäft in 5. Generation in der Stadt Cloppenburg immer wieder den Zeichen der Zeit anpassen musste.
Kurz stellte er die Geschichte der Familie Bley-Grimme vor, die „in 200 Jahren viel probiert hat“, um die Trends des jeweiligen Lifestyles bedienen zu können. „Unsere geschäftliche Devise war und ist Qualität! Alles begann mit Landmaschinen bis zu dem, was wir heute sind. Nur so kann man im Einzelhandel überleben.“
Schnell kam der Referent auf die Neuzeit zu sprechen. Hat Corona wirklich die Welt verändert? Es habe 2020 begonnen mit den wochenlangen Schließungen, die wie ein Berufsverbot wirkten, ohne finanzielle Unterstützung. 2022 führte der Ukraine-Krieg zu einer absoluten Verunsicherung der Bevölkerung. Die Kaufleute stellten seitdem eine außergewöhnliche Kaufzurückhaltung fest, so Grimme. Die Folge seien Insolvenzen und Geschäftsschließungen, die „jeder wahrnimmt, wenn er sehenden Auges durch die Stadt geht.“ 21 Leerstände gäbe es zurzeit in der Stadt – und „wieder schließt ein alteingesessenes Geschäft“. „Was weg ist, ist weg und kommt nicht wieder“ meint nicht nur Grimme. Natürlich mache auch das Internet das Einkaufen bequem – „Nachdem die Beratung vor Ort eingeholt wurde“ so Grimme deprimiert. Und was macht die Stadt? Welche Zukunftsmodelle bietet sie an? Das fragt sich nicht nur Grimme. Da gebe es Baustellen in den Straßen der Stadt, die dem Bürger den Zugang zu den Geschäften erschweren; da würden Fahrrad- und Einbahnstraßen geplant, die stadtauswärts führen sollen. Niemand versuche die 250.000 Besucher des Museumsdorfes in die Stadt zu locken. Grimme stellte viele Fragen an die Stadt: „Will die Stadt noch ein Einkaufszentrum sein? – Wo bleibt das Stadtmarketing? – Wer möchte denn noch durch die Stadt bummeln? – Wo wird man zum Verbleiben angelockt? – Wer hat denn Visionen?“
„Wer an den Dingen seiner Gemeinde keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger.“ Diesen Satz von Perikles von vor 2400 Jahren hatte Grimme an den Anfang seiner Ausführungen gestellt. Und „Wenn es der Stadt wohl geht, so geht es auch den Bürgern wohl.“ Er habe den Ratschlag des Perikles befolgt und sich als Bürger versucht, immer wieder mit guten Ratschlägen einzubringen, aaaber … Er hatte Ideen zur Münsterlandhalle, zur besseren Anbindung des Museumsdorfes, zur attraktiveren Gestaltung der Innenstadt … alles vergebens. „Man“ weiß es ja besser.
Fazit: Grimme schaut mit sehr viel Skepsis in die Zukunft der Stadt, die bald 600 Jahre alt wird. Die Firma Bley-Grimme hat alle Stürme der Zeit mit viel Engagement überlebt. Man kann das den anderen Kaufleuten in der Stadt Cloppenburg nur wünschen.
Text und Foto: Mechtild Ottenjann

Hans-Jürgen Grimme, Seniorchef des Fa. Bley, beim Frühstückstreff im Haus „Die Macher“
