Im Januar bezog der Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht, Achim Wach, auf der Macher-Seite Stellung zum Thema „Autofahren im Alter“. Er hat durchweg positive Erfahrungen gemacht und findet, Senioren seien keinesfalls die schlechteren Autofahrer. Unterstützend füge ich folgenden Kommentar an:
Mit der Selbsteinschätzung eigener Fähigkeiten beim Autofahren ist das ja so eine Sache, das werden viele Beifahrer bestätigen. Besonders gravierend scheint das Problem bei älteren Menschen zu sein. Nun bin ich auch bald siebzig und kann mir der Fürsorge der Jüngeren sicher sein, die mehrheitlich verpflichtende Überprüfungen und Checks für ältere Autofahrer fordern. Auch in den Medien wird die Gefahr durch alte – und deshalb scheinbar überforderte – Autofahrer immer wieder betont. Im letzten Jahr fiel mir eine Zeitungsmeldung auf mit der Überschrift „Senior (90) verursacht Unfall mit acht Verletzten“. Innerhalb von drei Tagen gab es etwa zehn weitere Meldungen zu Unfällen im nordwestdeutschen Raum mit sehr vielen Verletzten. Das Alter der durchweg jüngeren Verursacher wurde – wenn überhaupt – nur beiläufig genannt. Es kommt ja auch besser an, gängige Vorurteile gegenüber Senioren zu bedienen.
Eine solche, immer wieder zu beobachtende Betonung des fortgeschrittenen Alters von Unfallverursachern trägt zur Diskriminierung älterer Menschen bei, insbesondere angesichts entsprechender Statistiken, bundesweit und regional, die belegen, dass wir Alten nicht mehr bzw. schwerere Unfälle verursachen als junge Menschen. Deshalb sind die im letzten Jahr durch Initiativen der EU laut gewordenen Forderungen nach zusätzlichen Zwangsprüfungen und Checks ab einem gewissen Alter durch das Bundesverkehrsministerium und parteiübergreifend auch von den Abgeordneten im Bundestag mehrheitlich abgelehnt worden. Und das ist gut so.
Es soll nicht unterschlagen werden, dass es mit zunehmendem Alter bestimmte Probleme beim Lenken eines Autos gibt, aber es gibt auch sehr spezifische Unfallrisiken von jüngeren Fahrern. Ältere können z.B. eher den Ablenkungen durch anklopfende Nachrichten auf dem Handy widerstehen. Deshalb sollten Verkehrsteilnehmer jeden Alters immer selbst verantwortungsvoll, aber freiwillig ihre eigenen Verhaltensweisen und Fähigkeiten überprüfen. Hierzu bieten die Präventionsangebote der Verkehrswacht sowie entsprechende Angebote bei den Machern sehr viele und effektive Hilfen, die gerade auch von Senioren zahlreich wahrgenommen werden. Denn alte Menschen kann man im Straßenverkehr wohl kaum als Gefährder bezeichnen, sie sind allerdings stärker gefährdet. Mit Ausgrenzung oder Diskriminierung ist keinem geholfen.
Clemens Wilhelm